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Dein erster Gelatine Print

Einen Abzug vergrößern

​Deine ersten Negative sind bereit? Super! Jetzt beginnt der eigentliche Spaß.

Wenn du einen eigenen Raum als Dunkelkammer hast, ist das natürlich ideal. Notwendig ist das aber nicht. Du brauchst lediglich einen Raum, den du absolut lichtdicht machen kannst und der im Idealfall einen Wasseranschluss hat. Bei mir ist das das Badezimmer.

Meine Pop-up-Dunkelkammer.

Die Chemie vorbereiten

Entwickler Chemie

Wenn dies deine erste Vergrößerungssession ist, setzt du zuerst die Chemie an. Du benötigst einen Papierentwickler, ein Stoppbad, einen Fixierer und optional ein Stabilisierungsbad.

Zieh dabei unbedingt Handschuhe und Schutzbrille an. Ja, auch hier.

Mische die Chemie nach Herstellerangaben in separaten Messbechern an und fülle sie anschließend in die entsprechenden Laborflaschen. Ich verwende dafür Wasser mit Raumtemperatur. In meinem Badezimmer sind das meistens etwa 21 bis 23 Grad. Damit arbeite ich einfach.

Wenn du beim Fixieren auf Nummer sicher gehen möchtest, verwendest du zwei Fixierbäder. Dafür brauchst du insgesamt vier Laborflaschen und vier Entwicklungsschalen.

Die Schalen stelle ich auf Regalbretter über die Badewanne. Die Chemie gieße ich erst ein, wenn alles andere vorbereitet ist.

Lege außerdem zwei Laborzangen bereit. Eine bleibt ausschließlich beim Entwickler. Die zweite verwendest du für Stoppbad und Fixierbäder. Wenn du die Entwicklerzange nur für den Entwickler verwendest, vermeidest du Verunreinigungen der Chemie. Das verlängert die Lebensdauer der Lösungen deutlich.

Den Vergrößerer aufbauen

Vergrösserer

​Als Nächstes schaffst du Platz für den Vergrößerer. Wichtig ist, dass er absolut stabil und waagrecht steht. Bei mir steht er auf der Waschmaschine.

Kontrolliere mit einer kleinen Wasserwaage die Standplatte, den Vergrößererkopf und die Negativbühne. So stellst du sicher, dass dein Bild von Ecke zu Ecke scharf wird.

Überprüfe außerdem, ob alle Filter ausgeschaltet sind oder sich kein Filter in der Filterschublade befindet.

Danach öffnest du die Blende des Objektivs vollständig. Also die kleinste Blendenzahl einstellen.

Den Maskenrahmen positionierst du direkt unter dem Vergrößerer auf der Grundplatte.

Hinter dem Vergrößerer stelle ich einen mattschwarzen Karton auf. Alternativ funktioniert auch ein schwarzes Tuch. Dadurch werden störende Reflexionen reduziert.

Der restliche Raum darf ruhig hell sein. Die weißen Flächen reflektieren das Rotlicht und sorgen dafür, dass du später besser arbeiten kannst.

Rotlicht und Strom anschließen

Rotlicht

Jetzt wird alles verkabelt.

Verbinde den Vergrößerer mit dem Trafo und den Trafo mit der Zeitschaltuhr.

Oberhalb deines Arbeitsplatzes platzierst du die Rotlichtlampe. Bei mir steht sie auf dem Badezimmerschrank, etwa zwei Meter über dem Boden und ungefähr mittig zwischen Vergrößerer und Entwicklungsschalen.

So sind beide Arbeitsbereiche gut ausgeleuchtet.

Das Negativ vorbereiten

Leuchtpult

Bevor du loslegst, suchst du auf dem Leuchtpult das gewünschte Negativ aus.

Danach reinigst du sowohl die Negativbühne als auch das Negativ gründlich mit Blasebalg und Antistatikpinsel.

Staub ist der Feind jedes guten Abzugs. Jedes Staubkorn bedeutet später zusätzliche Arbeit oder einen neuen Print.

Anschließend setzt du das Negativ in die Bühne ein und schiebst diese in den Vergrößerer.

Das richtige Papier

Fotopapier

​Für den Einstieg empfehle ich PE-Papier, also kunststoffbeschichtetes Fotopapier.

Es lässt sich deutlich einfacher verarbeiten als Barytpapier und trocknet später auch wesentlich unkomplizierter.

Bei der Papiergröße solltest du nicht zu klein denken. Formate um 18 × 24 Zentimeter wirken an der Wand bereits deutlich besser als kleine Arbeitsabzüge.

Lege außerdem eine Schere und ein Stück schwarzen Karton bereit. Beides brauchst du später für die Probestreifen.

Bildausschnitt und Schärfe einstellen

Kornscharfsteller

Lege zunächst ein bereits vollständig belichtetes Stück Fotopapier in den Maskenrahmen. Das spart gutes Papier.

Schalte die Zeitschaltuhr auf Dauerbetrieb und stelle den gewünschten Bildausschnitt ein.

Jetzt fokussierst du das Bild zunächst grob.

Ab diesem Zeitpunkt arbeite ich meistens nur noch unter Rotlicht. Das ist zwar nicht zwingend notwendig, erleichtert die Beurteilung des projizierten Bildes aber deutlich.

Anschließend verwendest du einen Kornscharfsteller und fokussierst auf das Filmkorn. Kontrolliere dabei nicht nur die Bildmitte, sondern auch die Ränder.

Wenn die Schärfe passt, entfernst du den Kornscharfsteller und schließt die Blende des Objektivs auf etwa f/8.

Bei vielen Vergrößerungsobjektiven ist das ein guter Ausgangspunkt.

Jetzt kannst du die Chemie in die Schalen füllen. Ab diesem Moment wird nur noch unter Rotlicht gearbeitet.

Den Probestreifen erstellen

Probestreifen erstellen

​Jetzt wird es ernst.

Nimm ein Blatt Fotopapier und schneide einen Streifen ab. Etwa ein Drittel der Blattbreite reicht völlig aus.

Lege den Streifen mit der Schichtseite nach oben in den Maskenrahmen.

Unterteile ihn gedanklich in vier gleich große Bereiche. Ein zweiter Papierstreifen als Markierung hilft dabei.

Stelle die Zeitschaltuhr auf drei Sekunden.

Belichte den ersten Abschnitt drei Sekunden. Danach deckst du einen Teil ab und belichtest weitere drei Sekunden. Das wiederholst du insgesamt viermal. Am Ende erhältst du einen Teststreifen mit den Belichtungszeiten 3, 6, 9 und 12 Sekunden.

Den Probestreifen entwickeln

Probestreifen entwickeln

Lege den Teststreifen mit der Schichtseite nach oben in den Entwickler.

Bewege die Schale regelmäßig leicht, damit der Entwickler gleichmäßig arbeiten kann.

Die Entwicklungszeit hängt vom verwendeten Entwickler und dessen Alter ab.

Als Orientierung kannst du messen, wie lange es dauert, bis die ersten Schwärzungen sichtbar werden. Multipliziere diese Zeit anschließend mit sechs. Erscheinen die ersten Schwärzungen nach 15 Sekunden, entwickelst du insgesamt 90 Sekunden. Bei 20 Sekunden entsprechend 120 Sekunden.

Danach hebst du den Streifen mit der Entwicklerzange heraus, lässt ihn kurz abtropfen und legst ihn ins Stoppbad.

Anschließend kommt er ins Fixierbad.

Für Probestreifen reicht in der Regel das erste Fixierbad aus. Nach dem Fixieren spülst du den Streifen kurz im Wasserbad.

Jetzt darf das normale Licht wieder an.

Den Probestreifen beurteilen

Probestreifen

​Trockne den Teststreifen kurz mit einem Föhn.

Danach beurteilst du ihn bei Tageslicht oder unter einer guten neutralen Lichtquelle.

Wähle die Belichtungszeit, die die gewünschte Helligkeit liefert. 

Ist der Abzug zu hell oder zu dunkel, machst du einen neuen Teststreifen.

Passt der Kontrast nicht, veränderst du die Filterung beziehungsweise die Einstellung am Farbkopf und wiederholst den Vorgang.

Spare dir an dieser Stelle keine Zeit.

Ein sauberer Teststreifen ist die Grundlage für einen guten Print.

Den eigentlichen Abzug herstellen

Abzug entwickeln
Entwicklungsprozess

Wenn Belichtungszeit und Kontrast stimmen, legst du ein frisches Blatt Fotopapier in den Maskenrahmen.

Belichte es mit den ermittelten Einstellungen und schiebe es anschließend durch die einzelnen Bäder:

Entwickler.

Stoppbad.

Fixierbad 1.

Fixierbad 2. (optional, verwende ich nicht bei Probestreifen und Arbeitsabzüge)

Wasserbad.

Der erste Abzug ist fast immer ein Arbeitsabzug.

Trockne ihn grob ab und betrachte ihn unter gutem Licht.

Jetzt kannst du beurteilen, ob bestimmte Bereiche nachbelichtet oder abgewedelt werden sollen.

Perfekte Abzüge entstehen nur selten beim ersten Versuch.

Arbeite lieber konzentriert an wenigen Motiven. Drei wirklich gute Abzüge sind oft mehr wert als zehn mittelmäßige.

Wässern und Selentonen

Abzüge wässern

Nach der Session sollten die fertigen Abzüge etwa zehn Minuten gewässert werden.

Wenn die Bilder später gerahmt oder ausgestellt werden sollen, empfiehlt sich eine Selentonung.

Richte dir dafür einen gut belüfteten Arbeitsplatz ein und schütze die Arbeitsfläche mit Zeitungspapier und Kunststofffolie.

Trage unbedingt Handschuhe und Schutzbrille und halte dich an die Sicherheitshinweise des Herstellers.

Nach der Tonung werden die Abzüge erneut ungefähr zehn Minuten gewässert.

Danach folgt ein Stabilisierungsbad mit destilliertem Wasser.

Anschließend ziehst du das überschüssige Wasser ab und legst die Prints zum Trocknen auf einen Rahmen mit Fliegengitter.

PE-Papiere trocknen normalerweise plan. Barytpapiere müssen nach dem Trocknen häufig zusätzlich gepresst werden.

Der schönste Teil

Print gerahmt

Irgendwann ist der Print fertig.

Jetzt bekommt er ein Passepartout und einen passenden Rahmen.

Ich würde dafür mindestens ein Format von 30 × 40 Zentimetern wählen. Selbst kleinere Abzüge wirken dadurch deutlich hochwertiger und bekommen an der Wand die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

Und dann bleibt nur noch eines: Häng den fertigen Print auf und genieße das Ergebnis deiner Arbeit.

Das ist schließlich der schönste Teil des gesamten Prozesses.

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