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Einen Schwarzweissfilm entwickeln

In diesem Beitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du deinen ersten Schwarzweissfilm entwickelst und welche Chemikalien und Utensilien du dafür benötigst.
Du hast also deinen ersten Film vollgeknipst? Gratuliere! Spul ihn zurück und entnimm ihn aus der Kamera. Mit einem Filmrückholer kannst du die Filmzunge bequem bei Licht wieder aus der Patrone ziehen. Das funktioniert bei mir allerdings nicht immer zuverlässig. Deshalb verwende ich meistens einen ganz normalen Flaschenöffner. Es gibt zwar spezielle Patronenöffner für diesen Zweck, aber für mich reicht der Flaschenöffner völlig aus.
Das Ganze kannst du in einem lichtdichten Wechselsack machen. Ich gehe dafür einfach ins Badezimmer. Das ist gleichzeitig meine Dunkelkammer. Der große Vorteil: Es gibt kein Fenster, das ich abdunkeln müsste.
Den Film auf die Spirale spulen

Nimm deinen Film, die Schere, den Flaschenöffner und die Entwicklerdose – zum Beispiel von Paterson oder Jobo – und geh in einen absolut lichtdichten Raum.
Lege die geöffnete Entwicklerdose, die Spirale und die Schere griffbereit vor dich hin. Anschließend öffnest du die Patrone mit dem Flaschenöffner und entnimmst den Film. Die schmale Lasche am Anfang schneidest du ab und rundest die Ecken leicht ab. Dadurch bleiben die scharfen Kanten später nicht an der Spirale hängen.
Jetzt kannst du den Film vorsichtig auf die Entwicklerspirale aufspulen. Lass dir dabei Zeit. Gerade am Anfang lohnt es sich, ruhig und konzentriert zu arbeiten.
Tipp: Besorg dir den günstigsten Film, den du finden kannst, und übe diesen Schritt mehrmals bei Tageslicht. Wenn das problemlos klappt, wiederholst du das Ganze im Dunkeln. Erst dann würde ich einen Film mit wichtigen Bildern entwickeln.
Am Ende schneidest du den Film von der Spule ab, wickelst die letzten Zentimeter auf und setzt die Spirale in die Entwicklerdose ein. Die Mittelsäule nicht vergessen. Anschließend verschließt du die Dose sorgfältig.
Jetzt darf das Licht wieder an.
Die Chemie vorbereiten

Um einen Schwarzweissfilm zu entwickeln, brauchst du überraschend wenig Chemie. Im Grunde reichen Entwickler und Fixierer völlig aus. Optional kannst du zusätzlich ein Stabilisierungsbad mit destilliertem Wasser verwenden. Dadurch trocknet der Film fleckenfreier und bleibt langfristig besser erhalten.
Für den Einstieg empfehle ich einen einfachen Universalentwickler in flüssiger Form. Klassiker wie Rodinal oder HC-110 funktionieren hervorragend. Beide werden kurz vor der Entwicklung in der benötigten Verdünnung frisch angesetzt.
Bevor du loslegst, ziehst du Handschuhe an und setzt eine Schutzbrille auf. Tu es einfach. Ist besser so.
Zum Ansetzen der Chemie benötigst du drei Messbecher. Einen verwendest du ausschließlich für Entwickler, einen für Fixierer und Stabilisierungsbad und einen nur für Wasser. Zusätzlich erleichtern eine kleine 25-ml-Mensur und eine größere 100-ml-Mensur das genaue Abmessen der Chemie.
Außerdem brauchst du einen Plastiklöffel oder Rührstab zum Vermischen sowie Laborflaschen aus Kunststoff zur Aufbewahrung. Für Entwickler, Fixierer und Stabilisierungsbad verwendest du jeweils eine eigene Flasche.
Das Wasserbad vorbereiten

Damit die Chemie auf die richtige Temperatur kommt, verwendest du am besten eine große Plastikwanne. Meine hat ungefähr die Maße 40 × 30 × 20 Zentimeter.
Fülle die Wanne mit etwa 18 Grad kaltem Wasser und kontrolliere die Temperatur mit einem digitalen Laborthermometer. Anschließend stellst du die Laborflaschen mit der angesetzten Chemie hinein.
Jetzt heißt es warten, bis der Entwickler die gewünschte Temperatur von 20 Grad erreicht hat.
Die Temperatur ist einer der wichtigsten Faktoren bei der Filmentwicklung. Schon wenige Grad Unterschied können das Ergebnis sichtbar beeinflussen.
Die Entwicklung

Für die Entwicklung brauchst du einen Labortimer oder einfach eine Timer-App auf dem Handy. Stell die Entwicklungszeit entsprechend den Herstellerangaben ein. Alternativ helfen die Massive Dev Chart oder auch ChatGPT bei der Ermittlung passender Zeiten.
Sobald der Entwickler 20 Grad erreicht hat, füllst du mit deinem Wasser-Messbecher etwas Wasser aus der Wanne in die Entwicklerdose. Damit wird der Film ein bis zwei Minuten vorgewässert und gleichzeitig auf Temperatur gebracht.
Währenddessen rotierst du die Dose immer wieder leicht und klopfst nach jeder Bewegung mit dem Boden auf eine feste Unterlage. Dadurch lösen sich mögliche Luftblasen vom Film.
Danach gießt du das Wasser aus, startest den Timer und füllst den Entwickler zügig in die Dose. Sofort verschließen und los geht's.
Die ersten 30 Sekunden kippst du die Dose kontinuierlich auf den Kopf und wieder zurück. Danach klopfst du erneut mit dem Boden auf den Wannenrand und stellst die Dose zurück ins Wasserbad.
Nach einer Minute kippst du die Dose viermal innerhalb von etwa zehn Sekunden. Danach wird wieder geklopft und die Dose zurückgestellt.
Diesen Ablauf wiederholst du bis etwa zehn Sekunden vor Ablauf der Entwicklungszeit.
Dann gießt du den Entwickler aus. Bei Einmalentwicklern kommt er direkt in einen Sammelbehälter für den Recyclinghof.
Die Entwicklung stoppen

Jetzt muss die Entwicklung gestoppt werden.
Dafür schöpfst du Wasser aus dem Wasserbad und füllst es in die Dose. Fünfmal kippen, ausgießen und wiederholen. Insgesamt machst du das dreimal.
Für mich reicht Wasser als Stoppbad völlig aus. Du kannst aber natürlich auch ein richtiges Stoppbad verwenden, so wie bei der Papierentwicklung.
Fixieren

Als Nächstes kommt der Fixierer in die Dose.
Vorher stellst du den Timer auf die entsprechende Fixierzeit ein. Die ersten 30 Sekunden wird wieder kontinuierlich gekippt. Danach klopfst du die Dose kurz auf den Wannenrand und stellst sie zurück ins Wasserbad.
Anschließend wird – genau wie beim Entwickler – jede Minute viermal gekippt, bis der Timer piepst.
Den Fixierer gießt du danach zurück in die Laborflasche. Er kann mehrfach verwendet werden.
Mach dir am besten eine kleine Strichliste auf der Flasche oder im Notizbuch. So behältst du den Überblick, wie viele Filme bereits darin fixiert wurden und wann die Chemie ausgetauscht werden sollte.
Den Film gründlich spülen

Nach dem Fixieren wird der Film gründlich gewässert.
Verwende dafür wieder das temperierte Wasser aus der Wanne. Zuerst dreimal kippen und ausleeren. Danach Wasser einfüllen und sechsmal kippen. Anschließend zwölfmal und zuletzt vierundzwanzigmal.
Zum Abschluss spülst du den Film noch einige Minuten direkt in der Dose unter fließendem Wasser. Der Wasserdruck sollte dabei niedrig bleiben und die Temperatur ungefähr zwischen 20 und 22 Grad liegen.
Während der Film gespült wird, führst du am besten ein Notizbuch. Notiere dir Datum, Film, Kamera, Entwickler, Entwicklungszeit, Kipprhythmus und die Motive auf dem Film. Diese Informationen sind Gold wert. Wenn dir ein Ergebnis besonders gut gefällt, kannst du es später problemlos reproduzieren.
Stabilisieren und trocknen

Nach dem Spülen kommt der Film noch für etwa eine Minute ins Stabilisierungsbad.
Danach gießt du die Lösung zurück in die Flasche. Auch das Stabilisierungsbad kann mehrfach verwendet werden.
Anschließend hängst du den Film zum Trocknen auf. Spezielle Filmklammern sind praktisch, normale Wäscheklammern funktionieren aber ebenfalls.
Ich würde den Film über der Badewanne aufhängen. Darüber kannst du eine Plastikfolie legen, damit möglichst wenig Staub von oben auf die frischen Negative fällt. Danach ziehst du den Duschvorhang zu und lässt alles in Ruhe trocknen.
Jetzt kannst du auch sämtliche Utensilien unter fließendem Wasser reinigen.
Negative archivieren

Am nächsten Tag sollte der Film trocken sein.
Jetzt kannst du ihn in Streifen schneiden und entweder einscannen, abfotografieren oder in einem Labor digitalisieren lassen. Viele Drogerien wie DM oder Rossmann bieten diesen Service ebenfalls an.
Für die Archivierung verwendest du am besten spezielle Negativhüllen. Diese beschriftest du mit einer fortlaufenden Nummer sowie den wichtigsten Informationen wie Film, Kamera, Entwickler und besonderen Notizen. Aufbewahrt werden die Hüllen anschließend in einem säurefreien Ringordner.
Wenn du deine Negative sauber archivierst, findest du auch Jahre später noch jedes Bild problemlos wieder.
Die besten Bilder auswählen

Bevor es an die Vergrößerung geht, solltest du dir deine Negative genau anschauen.
Dafür eignet sich ein einfaches Leuchtpult in Kombination mit einer Standlupe. Alternativ kannst du natürlich auch die Scans am Computer beurteilen.
Suche dir die Bilder heraus, die dir am besten gefallen, und markiere die entsprechenden Negative.
Und dann kann es auch schon in die Dunkelkammer gehen.