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Mein Workflow in der Dunkelkammer

Vom Negativ bis zum fertigen Print

Abzug Mehrfachbelichtung
Lithprint
Analoger Abzug

In diesem Beitrag beschreibe ich meinen kompletten Workflow in der Dunkelkammer – vom Entwickeln des Films über das Vergrößern und Tonen bis hin zum fertigen Bild an der Wand.

Ich arbeite nicht in einer fest eingerichteten Dunkelkammer, sondern in einer Pop-up-Dunkelkammer im Badezimmer. Das klingt vielleicht improvisiert, funktioniert aber seit Jahren zuverlässig.

Den Film entwickeln

Filmentwicklung Set

Ist der Film voll fotografiert, beginnt für mich der eigentliche Prozess.

Mit der Entwicklerdose, einer Schere, einem Flaschenöffner und dem Film gehe ich ins Badezimmer. Ab jetzt herrscht absolute Dunkelheit. Kein Rotlicht. Kein kleines Orientierungslicht. Wirklich stockdunkel.

Mit dem Flaschenöffner öffne ich die Patrone und entnehme den Film. Die schmale Lasche am Anfang schneide ich ab und runde die Ecken leicht ab. Dadurch lässt sich der Film später einfacher auf die Spirale aufspulen.

Anschließend spule ich den Film vorsichtig auf die Entwicklerspirale. Wenn ich am Ende angekommen bin, schneide ich den Film vom Kern ab, wickle die letzten Zentimeter auf und setze die Spirale mit der Mittelsäule in die Entwicklerdose ein. Danach wird die Dose sorgfältig verschlossen.

Jetzt darf das Licht wieder an.

Chemie vorbereiten

Laborflaschen im Wasserbad

Als Nächstes bereite ich die Chemie vor.

Dafür stelle ich meine Plastikwanne in die Badewanne und fülle sie ungefähr zur Hälfte mit kaltem Wasser. Die Temperatur liegt meist bei etwa 18 Grad.

Bevor ich mit der Chemie arbeite, kommen Handschuhe und Schutzbrille zum Einsatz. Das gehört für mich einfach dazu.

Den Entwickler setze ich nach Herstellerangaben an. Die benötigte Menge messe ich mit einer kleinen Mensur ab und mische sie in einem Messbecher, den ich ausschließlich für Entwickler verwende.

 

Anschließend fülle ich die Lösung in eine Laborflasche und stelle sie ins Wasserbad.

Fixierer und Stabilisierungsbad kommen ebenfalls ins Wasserbad. Falls nötig, setze ich sie vorher frisch an. Den Entwickler mische ich grundsätzlich zuletzt, da er nicht so lange haltbar ist wie die übrigen Lösungen. Das Stabilisierungsbad setze ich mit destilliertem Wasser an.

Die Filmentwicklung

Entwicklerdose

Jetzt warte ich, bis der Entwickler 20 Grad erreicht hat. Die Temperatur kontrolliere ich mit einem digitalen Laborthermometer.

Währenddessen halte ich meinen Messbecher für Wasser bereit. Mit Wasser aus der Wanne wässere ich den Film ein bis zwei Minuten vor und bringe ihn gleichzeitig auf Temperatur.

Danach wird das Wasser ausgegossen und der Timer auf die richtige Entwicklungszeit eingestellt.

Sobald die Temperatur passt, starte ich den Timer und gieße den Entwickler in die Dose. Die ersten dreißig Sekunden kippe ich die Dose kontinuierlich. Danach klopfe ich mit dem Boden auf den Wannenrand, damit eventuell vorhandene Luftblasen aufsteigen.

Die Dose kommt zurück ins Wasserbad.

Nach einer Minute kippe ich viermal innerhalb von ungefähr zehn Sekunden. Anschließend wird wieder geklopft und die Dose zurückgestellt.

Diesen Rhythmus behalte ich bis kurz vor Ende der Entwicklungszeit bei.

Etwa zehn Sekunden vor Ablauf gieße ich den Entwickler durch einen Trichter in einen Sammelbehälter für den Recyclinghof.

Stoppen, fixieren und spülen

Entwicklerdose spülen

Als Stoppbad verwende ich meistens Wasser.

Ich fülle temperiertes Wasser in die Dose, kippe fünfmal und gieße es wieder aus. Diesen Vorgang wiederhole ich insgesamt dreimal.

Danach kommt der Fixierer in die Dose.

Die ersten dreißig Sekunden kippe ich wieder kontinuierlich, anschließend viermal pro Minute bis die Fixierzeit erreicht ist.

Danach gieße ich den Fixierer zurück in die Laborflasche.

Jetzt wird der Film gründlich gewässert.

Zuerst kippe ich dreimal, dann sechsmal, anschließend zwölfmal und zuletzt vierundzwanzigmal. Danach spüle ich den Film noch einige Minuten direkt unter fließendem Wasser.

Währenddessen ergänze ich meine Notizen. Ich notiere Film, Kamera, Entwickler, Entwicklungszeit, Kipprhythmus und die Motive auf dem Film.

Nach dem Wässern kommt der Film noch für eine Minute ins Stabilisierungsbad (angesetzt in destilliertem Wasser).

Trocknen und Archivieren

Negativ zum trocken

Zum Trocknen hänge ich den Film mit Filmklammern über der Badewanne auf.

Darüber lege ich eine Plastikfolie, damit möglichst wenig Staub auf die frischen Negative fällt. Anschließend ziehe ich den Duschvorhang zu und lasse alles in Ruhe trocknen.

Während der Film trocknet, reinige ich sämtliche Utensilien und lege sie auf einem Handtuch zum Trocknen aus.

Am nächsten Tag schneide ich den Film in Streifen, scanne ihn ein und archiviere ihn in beschrifteten Negativhüllen.

Danach betrachte ich die Bilder am Computer und zusätzlich auf dem Leuchtpult mit einer Standlupe.

Die besten Negative markiere ich mit einem kleinen Klebepunkt. Genau diese Bilder werden später vergrößert.

Die Dunkelkammer aufbauen

Vergrösserer
Papierchemie

Für die Vergrößerung bereite ich zuerst die Chemie vor.

Entwickler, Stoppbad, zwei Fixierbäder und ein Stabilisierungsbad werden angemischt und in Laborflaschen gefüllt.

Danach beginnt der Aufbau meiner Pop-up-Dunkelkammer.

Der Vergrößerer steht auf der Waschmaschine. Der Maskenrahmen kommt auf die Grundplatte. Die Rotlichtlampe steht auf dem Badezimmerschrank und der Timer direkt daneben.

Mit einer kleinen Wasserwaage kontrolliere ich die Ausrichtung des Vergrößerers. Anschließend reinige ich das Objektiv und überprüfe, ob sämtliche Filter deaktiviert sind.

Über die Badewanne lege ich drei Regalbretter. Darauf stehen später die Entwicklungsschalen in der Reihenfolge Entwickler, Stoppbad und das Fixierbad (Bei Teststreifen und Arbeitsprints verwende ich nur ein Fixierbad - bei Fine Art Prints Zwei!). Daneben liegen zwei Laborzangen bereit.

Das Negativ vorbereiten

Leuchtpult mit Negative und Lupe

Die Auswahl der Negative erfolgt auf dem Leuchtpult.

Sobald ich mich für ein Bild entschieden habe, reinige ich zuerst die Negativbühne mit Blasebalg und Antistatikpinsel. Danach wird das Negativ auf dieselbe Weise gereinigt.

Erst dann kommt die Bühne in den Vergrößerer.

Als Papier verwende ich meistens PE-Papier im Format 17,8 × 24 Zentimeter. Für mich ist das ein guter Kompromiss zwischen Materialverbrauch und Bildwirkung.

Den Probestreifen erstellen

Probestreifen

​Zum Einstellen von Bildausschnitt und Schärfe verwende ich ein bereits vollständig belichtetes Blatt Fotopapier.

Der Vergrößerer läuft dabei im Dauerbetrieb.

Sobald der Ausschnitt passt, stelle ich mit dem Kornscharfsteller exakt auf das Filmkorn scharf. Dabei kontrolliere ich sowohl die Bildmitte als auch die Ränder.

Danach wird auf etwa f/8 abgeblendet.

Jetzt wird die Chemie in die Schalen gefüllt und das normale Licht ausgeschaltet.

Ab jetzt arbeitet nur noch das Rotlicht.

Für den Probestreifen schneide ich einen Streifen Fotopapier ab und belichte ihn in vier Schritten mit jeweils drei Sekunden.

So entsteht ein Teststreifen mit 3, 6, 9 und 12 Sekunden Belichtungszeit.

Den ersten Arbeitsabzug herstellen

Abzüge wässern

​​Der Probestreifen wird entwickelt, gestoppt, fixiert und kurz gewässert.

Danach kann das Licht wieder an.

Ich trockne den Streifen mit einem Föhn und beurteile ihn bei Tageslicht oder unter einer guten Lampe.

Wenn Belichtungszeit und Kontrast passen, erstelle ich den eigentlichen Abzug.

Dieser durchläuft Entwickler, Stoppbad, Fixierbad und anschließend das Wasserbad.

Der erste Print ist für mich immer ein Arbeitsabzug.

Jetzt überlege ich, welche Bereiche eventuell nachbelichtet oder abgewedelt werden müssen. Erst danach entstehen die endgültigen Abzüge. In einer Session arbeite ich meist an wenigen Bildern. Zwei oder drei gute Prints reichen oft vollkommen aus. Wenn ich einen richtigen Fine Art print machen will, dann konzentriere ich mich nur auf einen Abzug!

Selentonen und Trocknen

Abzüge trocknen

Abzüge, die später an die Wand sollen, bekommen bei mir zusätzlich eine Selentonung.

Dafür richte ich mir einen Arbeitsplatz in der Küche ein. Der Tisch wird mit Zeitungspapier und einer Kunststofffolie geschützt.

Handschuhe und Schutzbrille sind hier Pflicht. Selen ist giftig und sollte entsprechend respektvoll behandelt werden.

Nach der Tonung werden die Prints erneut gewässert und anschließend für eine Minute in ein Stabilisierungsbad gelegt.

Danach streife ich das Wasser ab und lege die Bilder zum Trocknen auf einen Rahmen mit Fliegengitter.

PE-Papiere trocknen dabei normalerweise schön plan.

Der schönste Teil

Print gerahmt

Wenn der Print vollständig getrocknet ist, kommt er in einen Rahmen – meistens mindestens 30 × 40 Zentimeter – und erhält ein passendes Passepartout. Dann landet er an der Wand.

Für mich ist das immer der schönste Moment des gesamten Prozesses. Ein handgemachter Silbergelatineprint fühlt sich einfach anders an als ein digitaler Ausdruck. Vielleicht, weil ich genau weiß, wie viele Arbeitsschritte dahinterstecken. Vom belichteten Film bis zum fertigen Bild ist alles durch meine eigenen Hände gegangen.

Und genau das macht für mich den Reiz der Dunkelkammer aus.

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