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Einstieg in die Analogfotografie

Analoger abzug
Analoger Abzug

Warum eigentlich analog fotografieren?

Ganz einfach: Analogfotografie entschleunigt. Statt hunderte Bilder auf eine Speicherkarte zu schiessen, überlegst du dir bei jedem Bild, ob du den Auslöser wirklich drücken möchtest. Du setzt dich bewusster mit deinem Motiv auseinander und achtest stärker auf Licht, Bildaufbau und Belichtung. Genau das macht für viele den Reiz der Analogfotografie aus.
 

Für mich kommt noch etwas anderes dazu: Neben dem kreativen Aspekt der Fotografie fasziniert mich auch das Handwerk dahinter. Vom Entwickeln des Films bis zum fertigen Silbergelatineabzug in der Dunkelkammer habe ich jeden Schritt selbst in der Hand. Aus einer Idee wird zuerst ein Negativ und später ein fertiger Print.

Genau diese Verbindung aus Kreativität und Handwerk macht für mich den besonderen Reiz der analogen Fotografie aus.

Dazu kommt etwas, das digitale Fotografieren nur schwer ersetzen kann: die Vorfreude. Du siehst das Ergebnis nicht sofort. Erst wenn der Film entwickelt ist, erfährst du, was du tatsächlich fotografiert hast.

Die erste Kamera

Kameras

​Für den Einstieg empfehle ich ganz klar eine gebrauchte 35-mm-Spiegelreflexkamera.

Sie sind günstig erhältlich, robust gebaut und bieten alles, was du zum Lernen brauchst. Ausserdem gibt es für viele Systeme noch heute eine grosse Auswahl an Objektiven.
 

Beliebte Kameras stammen beispielsweise von Canon, Nikon, Pentax, Minolta oder Olympus. Wichtig ist weniger die Marke als ein funktionierender Zustand und ein passendes Standardobjektiv.

Lass dich nicht von technischen Daten verrückt machen. Eine einfache Kamera mit einem 50-mm-Objektiv reicht völlig aus, um die Grundlagen der Fotografie zu lernen.
 

Gebrauchte Kameras findest du auf eBay, Kleinanzeigen-Portalen oder auf Fotobörsen. Lies die Beschreibung immer genau durch und achte darauf, dass Kamera und Objektiv als voll funktionsfähig beschrieben werden. Schau dir auch die Fotos genau an.

Sehr gute Erfahrungen habe ich auch auf Flohmärkten gemacht. Dort kannst du die Kamera direkt in die Hand nehmen und sämtliche Funktionen ausprobieren. Kontrolliere Verschluss, Filmtransport, Blendenmechanik und den allgemeinen Zustand. Auch das Objektiv solltest du genau ansehen: Gibt es Kratzer, Pilzbefall oder starke Verschmutzungen? Lieber einmal genauer hinschauen als später enttäuscht sein.

Welchen Film soll ich verwenden?

Filme

​Für den Anfang würde ich Schwarzweissfilm empfehlen.

Er ist vergleichsweise günstig, verzeiht kleine Belichtungsfehler und lässt sich zuhause relativ einfach selbst entwickeln.

Klassiker wie Ilford HP5 Plus, Ilford FP4 Plus, Kentmere, APX  oder Fomapan sind ideale Begleiter für die ersten Schritte.
 

Meine persönlichen Favoriten sind der Ilford FP4 Plus und der Ilford HP5 Plus. Der FP4 bietet ein feines Korn und eine hervorragende Bildqualität, während der HP5 mit seiner höheren Empfindlichkeit und grossen Belichtungstoleranz ein echter Allrounder ist. Mit diesen beiden Filmen kann man eigentlich kaum etwas falsch machen.
 

Natürlich kannst du auch mit Farbfilm starten. Die Entwicklung ist jedoch etwas aufwendiger und meist auch teurer.

Was passiert nach dem Fotografieren?

Leuchtpult mit Negative

​Irgendwann ist der Film voll – und dann beginnt der zweite Teil der analogen Fotografie.

Der einfachste Weg ist, den Film in ein Labor zu geben. Dort wird er entwickelt und auf Wunsch auch gleich gescannt. Wenige Tage später erhältst du deine Bilder digital und die Negative zurück.
 

Du kannst den Film aber auch selbst entwickeln. Gerade bei Schwarzweiss ist das einfacher, als viele denken. Alles, was du dafür brauchst, sind ein Entwicklertank, etwas Chemie und ein dunkler Raum oder ein Wechselsack.
 

Sind die Negative entwickelt, hast du wieder mehrere Möglichkeiten: Du kannst sie in ein Labor zum Scannen schicken, selbst mit einem Filmscanner digitalisieren oder mit einer Digitalkamera abfotografieren.

Der Weg in die Dunkelkammer

Vergrösserer
Entwicklerspule

Für viele endet der Prozess nach dem Scannen. Für mich beginnt hier erst der spannendste Teil.

Statt die Negative zu digitalisieren, kannst du sie mit einem Vergrösserer direkt auf Fotopapier belichten. Anschliessend wird das Papier entwickelt, gestoppt und fixiert. So entsteht ein echter Silbergelatineabzug.
 

Für mich schliesst sich hier der Kreis. Das Bild entsteht nicht am Computer, sondern Schritt für Schritt mit den eigenen Händen. Jeder Abzug ist ein Unikat und genau das macht die Arbeit in der Dunkelkammer so faszinierend.
 

Natürlich musst du nicht gleich mit einer eigenen Dunkelkammer starten. Viele Analogfotografen lassen ihre Filme entwickeln und scannen und sind damit vollkommen zufrieden. Wenn dich jedoch neben der Fotografie auch das handwerkliche Arbeiten reizt, kann das Vergrössern eigener Bilder eine unglaublich erfüllende Erfahrung sein.

Mein Rat zum Schluss

Filmentwicklung Set

​Kauf nicht sofort die perfekte Ausrüstung und richte auch nicht gleich eine komplette Dunkelkammer ein.

Besorge dir eine einfache gebrauchte Spiegelreflexkamera, lade einen Schwarzweissfilm ein und fotografiere. Lass die ersten Filme im Labor entwickeln oder entwickle sie selbst.

 

Sammle Erfahrungen und finde heraus, welcher Teil der analogen Fotografie dir am meisten Spass macht.

Vielleicht bleibst du beim Scannen. Vielleicht entwickelst du deine Filme selbst. Vielleicht stehst du irgendwann nachts im Badezimmer und ziehst deinen ersten eigenen Silbergelatineabzug aus dem Entwicklerbad.
 

Analogfotografie ist kein Wettrennen. Nimm dir Zeit, experimentiere und hab Spass am Prozess. Die Technik ist nur das Werkzeug – entscheidend sind die Bilder, die du damit machst.

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