Welchen analogen Film solltest du als Anfänger verwenden?
- Harald Siutz
- 5. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 4 Stunden

Die analoge Fotografie erlebt seit einigen Jahren ein echtes Comeback. Immer mehr Menschen entdecken den besonderen Charme von Filmkameras: bewusster fotografieren, weniger Bilder schießen und sich auf den Moment konzentrieren. Doch gerade am Anfang stellt sich schnell die Frage: Welchen Film soll ich eigentlich kaufen?
Die Auswahl ist groß – Farbnegativ, Schwarzweiß oder Diafilm? Unterschiedliche Empfindlichkeiten, Marken und Looks machen die Entscheidung nicht gerade einfach. In diesem Beitrag bekommst du einen Überblick über die wichtigsten Filmtypen und erfährst, welcher Film sich für den Einstieg am besten eignet.
Die drei wichtigsten Filmarten
Farbnegativfilm (C-41)
Farbnegativfilme sind die Klassiker unter den analogen Filmen. Sie bieten einen großen Belichtungsspielraum und verzeihen kleine Fehler bei der Belichtung. Deshalb sind sie besonders beliebt – sowohl bei Anfängern als auch bei Profis.
Bekannte Beispiele sind:
Kodak Gold 200
Kodak ColorPlus 200
Kodak Ultramax 400
Fujifilm 200
Vorteile:
Einfach zu belichten
Schöne Farben
Fast überall entwickeln zu lassen
Nachteile:
Die Entwicklung zu Hause ist etwas aufwendiger als Schwarzweiß.
Farbchemie ist empfindlicher und muss genauer eingehalten werden.
Schwarzweißfilm
Schwarzweißfilme sind zeitlos und eignen sich hervorragend, um sich auf Licht, Kontraste und Bildkomposition zu konzentrieren. Außerdem ist die Entwicklung deutlich einfacher als bei Farbfilmen und lässt sich mit wenig Ausrüstung problemlos zu Hause durchführen.
Beliebte Filme sind unter anderem:
Kentmere 100
Kentmere 400
Ilford FP4 Plus 125
Ilford HP5 Plus 400
Foma Fomapan 100 oder 400
Vorteile:
Einfach selbst zu entwickeln
Günstige Chemie
Perfekt zum Lernen
Charakterstarke Bilder
Nachteile:
Keine Farben – der Fokus liegt vollständig auf Licht und Motiv.
Diafilm (Umkehrfilm / E-6)
Diafilme erzeugen direkt ein positives Bild auf dem Film. Sie bieten brillante Farben und einen beeindruckenden Kontrast.
Bekannte Vertreter sind:
Fujifilm Velvia 50
Fujifilm Provia 100F
Allerdings haben Diafilme einen sehr kleinen Belichtungsspielraum. Bereits kleine Belichtungsfehler sind deutlich sichtbar.
Für Anfänger daher eher nicht zu empfehlen.
Welche ISO sollte ich wählen?
Neben der Filmart spielt auch die Lichtempfindlichkeit (ISO) eine wichtige Rolle.
ISO 100–125: ideal bei Sonnenschein
ISO 200: vielseitig für helle Tage
ISO 400: der beste Allrounder
ISO 800 und höher: für wenig Licht oder Innenräume
Wenn du nur einen Film mitnehmen möchtest, bist du mit ISO 400 fast immer auf der sicheren Seite.
Welche Marken gibt es?
Neben Kodak und Fujifilm gehören vor allem diese Hersteller zu den bekanntesten:
Ilford
Kentmere
Foma
Rollei
Harman
Cinestill
ORWO
Jede Marke hat ihren eigenen Bildstil. Gerade bei Schwarzweißfilmen unterscheiden sich Korn, Kontrast und Tonwerte oft deutlich.
Meine Empfehlung für Einsteiger
Wer gerade mit der analogen Fotografie beginnt, sollte sich nicht zu viele Gedanken über den "perfekten Look" machen. Viel wichtiger ist es, ein Gefühl für Belichtung, Licht und Bildgestaltung zu entwickeln.
Deshalb empfehle ich ganz klar den Einstieg mit Schwarzweißfilm, vor allem, wenn du selber entwickeln möchtest.
Warum?
Die Entwicklung ist deutlich einfacher als bei Farbfilm.
Die benötigte Chemie ist günstig.
Fehler lassen sich leichter nachvollziehen.
Du lernst den gesamten analogen Prozess – vom Fotografieren bis zum fertigen Negativ.
Besonders empfehlen sich folgende Filme:
Kentmere 100
Ein preiswerter Film mit feinem Korn und hoher Schärfe. Ideal für sonnige Tage und alle, die ihre ersten Erfahrungen sammeln möchten.
Ilford FP4 Plus 125
Ein echter Klassiker mit sehr feinem Korn und großem Belichtungsspielraum. Perfekt für Landschaften, Architektur und ruhige Motive.
Ilford HP5 Plus 400
Einer der beliebtesten Schwarzweißfilme überhaupt. Er ist extrem vielseitig, verzeiht Belichtungsfehler und funktioniert bei nahezu jedem Licht. Genau deshalb ist er für viele Fotografen der ideale Anfängerfilm.
Fazit
Wenn du gerade erst mit der analogen Fotografie beginnst, musst du nicht sofort alle Filmtypen ausprobieren. Konzentriere dich zunächst auf das Wesentliche: den Umgang mit deiner Kamera, das Verständnis für Licht und den fotografischen Blick.
Schwarzweißfilm ist dafür die beste Wahl. Er ist günstig, unkompliziert zu entwickeln und vermittelt dir ein tieferes Verständnis für die analoge Fotografie.
Unsere Empfehlung lautet daher:
Kentmere 100 oder 400 für den günstigen Einstieg.
Ilford FP4 Plus 125, wenn du feine Details und höchste Bildqualität möchtest.
Ilford HP5 Plus 400, wenn du einen echten Allrounder suchst, der fast jede Situation meistert.
Mit einem dieser Filme kannst du praktisch nichts falsch machen – und lernst gleichzeitig den gesamten analogen Workflow von Grund auf kennen.



Kommentare